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Klimakterium ist keine Krankheit, sondern eine Lebensphase
Wenn man sich alte Familienfotos anschaut, fällt das immer wieder auf: Früher sind die Menschen viel schneller gealtert als heute. Im Vergleich zu ihrer Mutter sieht eine 50jährige Frau heute gut zehn Jahre jünger aus.
Vergleicht man sie mit der Großmutter oder gar Urgroßmutter, stellt man fest, dass praktisch so etwas wie ein Generationensprung stattfand.
Allen nostalgischen Unkenrufen zum Trotz - unser Leben verläuft angenehmer und strapaziert deshalb unsere Gesundheit weniger als es noch vor 50 Jahren der Fall war. Früher gab es zwar mehr körperliche Anstrengung während der Arbeit und mehr Bewegung im Alltag, dafür hatten die Menschen aber weniger Freizeit, in der sie Sport treiben konnten. Und sie haben sich zwar naturbelassener und saisongerechter ernährt als heute, die meiste Zeit stand ihnen aber nur eine beschränkte Auswahl an Lebensmitteln zur Verfügung. Und Vitamin- bzw. Mineralstoffpräparate zur Überbrückung der Engpässe gab es so gut wie gar keine. Außerdem war das Wissen über gesundheitliche Zusammenhänge sehr beschränkt. Die medizinische Wissenschaft steckte noch in den Kinderschuhen und Laien haben sich für diese Fragestellungen kaum interessiert.
Alles zusammengenommen führt heute dazu, dass wir etliche Jahre länger leben als frühere Generationen und im Laufe des Lebens meist vitaler und jugendlicher sind als unsere Vorfahren. Es bedeutet allerdings nicht, dass es in unserem Leben keine Phasen gibt, in denen wir gesundheitliche Probleme haben und deshalb Rat und Hilfe benötigen. Gerade Frauen in den Fünfzigern können darüber einiges berichten.
Die Beschwerden können individuell sehr unterschiedlich sein Um das 50. Lebensjahr herum findet im weiblichen Organismus ein Veränderungsprozess statt, der ähnlich dramatisch verlaufen kann wie die Pubertät. Die Zeit der Fruchtbarkeit geht in diesen Jahren zu Ende und mit ihr der hormonelle Zyklus, der Jahrzehnte lang den Biorhythmus und das Lebensgefühl der Frau maßgeblich bestimmte.
In der ersten Phase des Wechsels verändert sich vor allem die Monatsblutung. Sie kommt nicht mehr so pünktlich und wird mal schwächer, mal besorgniserregend stark. Schon zur Beruhigung sollte Frau in dieser Zeit etwas häufiger zum Gynäkologen gehen, um feststellen zu lassen, dass keine organische Störung vorliegt. Ist dies abgeklärt, muss man sich auch bei sehr starken Blutungen keine großen Sorgen machen. Sie sind nichts ungewöhnliches und verschwinden meist genauso plötzlich, wie sie aufgetreten sind. Wichtig ist lediglich dafür zu sorgen, dass kein Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen entsteht und vielleicht noch mit einem Eisenpräparat einer drohenden Blutarmut (Eisenmangelanämie) vorzubeugen.
Eine neue Lebensphase Mit dem vollständigen Verschwinden der Monatsblutung, die bei manchen Frauen praktisch von einem Tag zum anderen versiegen kann, beginnt eine neue Lebensphase. Leider ist die Befreiung von der Periode - und als solche wird das Verschwinden der Monatsblutung meistens empfunden - gleichzeitig mit einer Reihe weniger erfreulicher Erscheinungen verbunden: Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen usw. Besonders wegen der seelischen Labilität und leichten Verletzbarkeit der Frauen in dieser Zeit, werden die Beschwerden von der Umwelt häufig nicht ernst genommen. Manche halten sie sogar für Hysterie. Das ist aber eine völlig falsche Auslegung der Vorkommnisse. Es stimmt zwar, dass verschiedene Frauen diese Lebensphase sehr unterschiedlich erleben. Das hat aber nichts mit Hysterie zu tun, sondern mit deren Konstitution. Genauso, wie bei manchen Frauen die Blutung schlagartig aufhört, während sie bei anderen noch über einen sehr langen Zeitraum immer wieder, meist unregelmäßig, eintritt, genauso individuell sind auch die klimakterischen Beschwerden.
Entsprechend individuell müssen aber auch die betroffenen Frauen ihre Probleme angehen. Sie müssen vor allem darauf achten, dass kein Teufelskreis entsteht, in dem eine Beschwerde die nächste nach sich zieht. Wenn man beispielsweise in der Nacht unter häufigen Hitzewallungen und Schweißausbrüchen leidet, wacht man davon leicht immer wieder auf. Das kann aber zu einer chronischen Schlafstörung führen, die ihrerseits wiederum eine Depression auslösen kann.
Soll man Hormonpräparate nehmen? Die Veränderungen, die in dieser Lebensphase im Körper stattfinden, sind nicht alleine mit der abnehmenden Östrogenproduktion zu erklären. Die Hormontherapie ist hierbei die etablierte Behandlungsmethode und ihr Nutzen ist unbestritten. Sie wirkt dem Knochenabbau, der zur Osteoporose führen kann, entgegen. Kritische Stimmen weisen allerdings darauf hin, dass das Risiko für Brust- und Gebärmutterkrebs geringfügig steigen kann. Immer mehr Frauen fragen deshalb nach sanfteren Alternativen zur hormonellen Therapie, denn Wechseljahre sind schließlich keine Krankheit, sondern eine Lebensphase.
Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen konnten, bewirken Präparate aus Heilpflanzen, in denen sogenannte Phytoöstrogene enthalten sind, ähnliche positive Effekte wie synthetische Hormone, ohne dass sie mit vergleichbaren Nebenwirkungen belastet wären. Das gilt besonders für Präparate aus der Traubensilberkerze (lateinisch Cimicifuga). Neun von zehn Frauen, die ein Cimicifuga-Präparat genommen haben, berichten bereits nach einer 4wöchigen Therapie über spürbare Verbesserungen. Diese Medikamente sind außerdem in jeder Apotheke rezeptfrei zu haben.
Neben der Anwendung eines Arzneimittels sollte aber jede Frau in dieser Phase zusätzlich auch einen echten "Wechsel" - nämlich einen in der Lebensweise - einleiten. Dazu gehört
- verstärkt Sport treiben,
- sich vitaminreich ernähren,
- viel Trinken,
- Alkohol-, Kaffee- und Zigaretten meiden,
- und einen regelmäßigen Tagesablauf einhalten.
- Besonders wenn gleichzeitig die Kinder aus dem Hause gehen oder andere private Veränderungen stattfinden, sollte sich die Betroffenen mit der neuen Situation auch seelisch intensiv auseinandersetzen.
Frauen, die auf diese Weise ihren Wechsel gestalten, erleben wirklich einen. Am Ende dieser Umbauphase fühlen sie sich dann häufig stabiler und zufriedener als je zuvor.
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