Rezeptfreie Medikamente gegen Verstopfung

1. Was ist Verstopfung?
Unter Verstopfung versteht man erschwerten, schmerzhaften, harten oder zu seltenen Stuhlgang, oft mit dem Gefühl unvollständiger Entleerung. Oft wird aber eine Verstopfung als solche empfunden, obwohl objektiv keine Verstopfung vorliegt. Dies liegt daran, dass sich viele Menschen über die "Verdauung" unklare Vorstellungen machen. Die Bandbreite einer normalen "Stuhlgangfrequenz" reicht von dreimal pro Tag und bis zu dreimal pro Woche.

2. Was sind die Ursachen von Verstopfung?
Eine Verstopfung entsteht gewöhnlich bei Mangel an unverdaulichen Stoffen (Ballaststoffen) in der Nahrung. Sie kann aber auch bei einer Änderung der Lebensgewohnheiten auftreten, z.B. im Urlaub. Eine Verstopfung kann ebenfalls akut auftreten bei längerer Bettruhe und bei unzureichender Flüssigkeitsaufnahme. Darüber hinaus ist die Verstopfung gelegentlich eine Nebenwirkung von Arzneimitteln (z.B. von eisenhaltigen Medikamenten, Beruhigungsmitteln).
Neben diesen eher "banalen" Ursachen der Verstopfung, kann sie auch das Signal für eine ernstere Erkrankung sein. So ist die Verstopfung manchmal Symptom von fieberhaften (Infektions)-Krankheiten, Krankheiten des Darmes, des Nervensystems oder bei psychischen Erkrankungen. In den letztgenannten Fällen ist die Verstopfung häufig chronisch.

3. Was kann man gegen Verstopfung tun?
Bei Auftreten von Verstopfung müssen die Ernährungsgewohnheiten überprüft werden. So ist auf ausreichend hohen Anteil an Ballaststoffen in der Nahrung zu achten. Hierzu gehören z.B. Kartoffeln, Gemüse, Vollkorn, ungeschälter Reis. Darüber hinaus sollte der Fettanteil in der Nahrung durch weniger Fleisch und weniger Wurst gesenkt werden.
Weiterhin ist es wichtig, ausreichend zu trinken. Ein ansonsten gesunder Erwachsener sollte mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag trinken. Nur wenn soviel getrunken wird, können die unverdaulichen Ballaststoffe im Darm aufquellen, dadurch den Darminhalt weich halten und sein Volumen vergrößern. Dies regt die Darmmuskulatur an, fördert den Verdauungsprozess und wirkt einer Verstopfung entgegen. Besonders bei älteren Menschen ist aber das Durstgefühl häufig herabgesetzt, so dass hier auf ausreichende Flüssigkeitsmenge geachtet werden muss.
Weitere Maßnahmen können der Verstopfung vorbeugen:
Für den Gang zur Toilette sollte man sich ausreichend Zeit nehmen. Mehr Bewegung bis hin zu leichter sportlicher Betätigung verbessert ebenfalls die Darmtätigkeit. Stuhldrang darf nicht unterdrückt werden. Beim Stuhlgang ist starkes Pressen zu vermeiden, da dies zu Hämorrhoiden führen kann.

4. Welche Medikamente helfen gegen Verstopfung?
Gegen Verstopfung gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Arzneimittel, sogenannte "Abführmittel". Sie unterscheiden sich nicht nur in den Inhaltsstoffen, sondern auch im Wirkprinzip und in der Dauer bzw. der Schnelligkeit des Wirkungseintritts.

Am schnellsten wirken Einläufe. Hierbei wird warmes Wasser oder Glycerin in ausreichender Menge direkt in den Darm eingeführt, was den Darmentleerungsreflex auslöst. Die Wirkung tritt rasch ein.

Nach einigen Stunden wirken die sogenannten stimulierenden Abführmittel/Darmreizmittel. Diese werden oral als Tabletten oder Tropfen eingenommen und enthalten Inhaltsstoffe wie Sennesblätter, -schoten, Rhabarber, Faulbaumrinde, Aloe, synthetische Stoffe (z.B. Bisacodyl, Natriumpicosulfat), Rizinusöl.
Ihre Wirkung resultiert in einer Erhöhung des Wassergehalts des Darminhalts, der Stuhl wird deshalb weicher und sein Volumen vergrößert.

Ebenfalls nach einigen Stunden wirken die sogenannten wasserbindenden Mittel. Ihre Wirkung beruht darauf, dass sie die Wassermenge, die der Darm aus dem Stuhl normalerweise herauszieht, verringern. Dadurch wird der Darminhalt nicht fest. Zu diesen Wirkstoffen gehören bestimmte Salze (Glaubersalz, Bittersalz) und bestimmte Zucker- und Zuckeralkoholstoffe (z.B. Lactulose, Lactose). Auch gewisse Süßstoffe, die in Lebensmitteln Verwendung finden, können abführend wirken.

Nach ein bis drei Tagen wirken die sogenannten Darmfüllmittel. Hierbei handelt es sich um unverdauliche, faserreiche Ballaststoffe. Mit reichlich Wasser genommen quellen diese auf und führen somit zu einer Volumenvergrößerung des Darminhalts, was den Darmentleerungsreflex anregt. Zu diesen Stoffen gehören Kleie, Leinsamen und indischer Flohsamen (Plantago ovata).

Mit Ausnahme der zuletzt genannten Darmfüllmittel, die auch über längere Zeit eingenommen werden können, sollten Abführmittel grundsätzlich nur kurzfristig angewendet werden. Im Mittelpunkt sollte immer eine Veränderung der Ernährungs- bzw. Lebensgewohnheiten stehen.

5. Gibt es Risiken bei der Arzneimittelanwendung?
Einige der genannten Abführmittel haben Anwendungsbeschränkungen: So sollte Glaubersalz nicht bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bittersalz nicht bei Nierenerkrankungen angewendet werden. Beide sollten nicht in der Schwangerschaft angewendet werden. Letztere Beschränkung gilt auch für die stimulierenden Abführmittel/Darmreizmittel.
Mit Ausnahme der Darmfüllmittel, die auch über längeren Zeitraum angewendet werden können, sollten Abführmittel stets nur kurzfristig eingenommen werden.

6. Wann zum Arzt?
Der Arzt sollte immer dann aufgesucht werden, wenn Symptome auftreten, die auch der Laie als nicht mehr im Zusammenhang mit einer "banalen" Verstopfung stehend erkennt. Hierzu gehören:
- Verstopfung mit gleichzeitigen starken Bauchschmerzen (bisweilen wellenförmig und krampfartig).
- Bei gleichzeitigem Auftreten von Fieber, auch Übelkeit und Erbrechen.
- Wenn Blut im Stuhl ist.
- Wenn der Stuhl dünn geformt ist "wie ein Bleistift".
- Wenn die in den Abschnitten 3. und 4. genannten Maßnahmen nicht helfen.

Rezeptfreie Medikamente/Mittel gegen Verstopfung (Ostipation) und Mittel, die den Darminhalt weich halten, gibt es auch in der Apotheke.
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