Rezeptfreie Medikamente bei Neurodermitis
1. Was ist Neurodermitis?
Neurodermitis ist ein durch endogene (innere) Faktoren hervorgerufenes, dauerhaftes, juckendes Ekzem. Es gibt beschwerdefreie Zeiträume, die von akuten Krankheitsschüben unterschiedlichen Schweregrades unterbrochen werden.
Eine Neurodermitis entwickelt sich häufig im Kindesalter und verschwindet in der Pubertät. Bei einigen Menschen bleibt die Erkrankung jedoch ein Leben lang bestehen.
2. Was sind die Ursachen von Neurodermitis?
Die Ursache für diese Erkrankung ist nicht eindeutig geklärt. Eine erbliche Veranlagung ist häufig vorhanden, aber nicht ausschlaggebend. Bestimmte Faktoren können eine Neurodermitis verstärken, sind aber nicht ursächlich für sie verantwortlich. Dazu zählen seelische Einflüsse, bestimmte Nahrungsmittel oder Wetterwechsel. Viele Betroffene leiden auch an Asthma oder Allergien.
3. Was kann man gegen Neurodermitis tun?
Da die Haut eines Neurodermitikers sehr empfindlich ist, sollte man auf alles verzichten, was die Haut zusätzlich reizen und austrocknen könnte, wie ausgedehnte Wannenbäder oder die Verwendung von Seife. Am besten geeignet sind Produkte, die weder allergiefördernde Duftstoffe noch Konservierungsmittel enthalten. Oft kann ein Aufenthalt an der See das Leiden lindern, da sich Reizklima, allergiearme Luft und hohe UV-Strahlung positiv auswirken. Häufig hat auch Kälte einen günstigen Einfluss, da sie zur Ausschüttung des entzündungshemmenden Hormons Kortisol führt. Wer stark schwitzt, sollte möglichst weite und bequeme Kleidung tragen, damit der Stoff so wenig wie möglich mit der Haut in Berührung kommt, da der Juckreiz sonst noch verstärkt wird. Wenn sich die Neurodermitis durch seelische Probleme verschlimmert, können auch Stressbewältigungsmethoden hilfreich sein.
4. Welche Arzneimittel helfen bei Neurodermitis?
Den quälenden Juckreiz bei Neurodermitis können gerbstoffhaltige Mittel oder Antihistaminika lindern. Trockene Haut behandelt man am besten mit wirkstofffreien Produkten auf neutraler Salben- oder Cremegrundlage oder Bädern mit Erdnussöl oder Sojabohnenöl, die die Haut fetten, feucht halten und ein weiteres Austrocknen verhindern. Zudem gibt es eine Reihe von Wirkstoffen, die äußerlich als Salbe, Creme, Lösung oder Lotion bei Neurodermitis angewendet werden können. Dazu zählen:
- Antihistamine wie z.B. Azelastin, Cetirizin, Bamipin
Antihistamine verhindern nicht die Freisetzung von Histamin, sondern unterdrücken die damit verbundenen Symptome. Sie können auch dann noch eingesetzt werden, wenn die allergische Reaktion schon zu Beschwerden geführt hat. Den Nachteil eines müde machenden Effektes haben die neueren Antihistamine, wie z.B. Azelastin, Loratadin, Cetrizin nicht mehr oder nicht mehr so stark. Bei oral z.B. als Tabletten eingenommenen Antihistaminen sollte allerdings gleichzeitiger Alkoholgenuss unterbleiben. - Synthetischer Gerbstoff
Er bewirkt, dass die oberflächlichen Eiweiße an den wunden Hautstellen gerinnen und sich Schorf bildet. Die Haut gibt dadurch weniger Schweiß und Flüssigkeit ab, so dass die nässenden Wunden trocknen. Den Bakterien wird dadurch der Nährboden entzogen. Gerbstoff wirkt darüber hinaus entzündungshemmend, schmerzlindernd und stillt den Juckreiz. - Oberflächenanästhetikum, z.B. Benzocain
Es verringert die Empfindlichkeit der Nervenenden und -fasern für Schmerz-, Druck, Wärme und Kältereize. Dadurch sinkt das Schmerzempfinden, Juckreiz wird weniger stark empfunden. - Antiphlogistika, z.B. Bufexamac
Wirkt entzündungshemmend, dämpft den Juckreiz, lindert den Schmerz. - Harnstoff
Spendet der Haut Feuchtigkeit und lindert den Juckreiz. - Glukokortikoide, z.B. Hydrocortison
Wirkt entzündungshemmend und lindert die Beschwerden bei entzündlichen juckenden und allergischen Hautveränderungen.
Anwendungsgebiete: entzündliche und allergische Hauterkrankungen, z.B. Ekzeme, Neurodermitis, Nesselsucht, juckende Dermatosen, Insektenstiche, Sonnenbrand
5. Gibt es Risiken bei der Arzneimittelanwendung?
Antihistamine
Es treten selten Überempfindlichkeitsreaktionen auf. Das Reaktionsvermögen kann beeinträchtigt werden. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Antihistamine sollten sie nicht angewendet werden. Bei Kindern unter 12 Jahren, in der Schwangerschaft und Stillzeit sollte vor Anwendung der Arzt befragt werden.
- Synthetischer Gerbstoff
Darf nicht in der Nähe der Augen angewendet werden. - Oberflächenanästhetikum, z.B. Benzocain
Bei bestehender Überempfindlichkeit gegen Parabene (Konservierungsstoffe) dürfen Benzocain-haltige Mittel nicht angewendet werden. - Bufexamac
Kann allergische Reaktionen auslösen. - Harnstoff
Spendet der Haut Feuchtigkeit und lindert den Juckreiz. Zudem bewirkt er die Freisetzung anderer Wirkstoffe in der Haut. - Glukokortikoide, z.B. Hydrocortison
In seltenen Fällen kann es zu allergischen Hautreaktionen kommen. Es soll nicht angewandt werden bei ansteckenden Hauterkrankungen. Nicht bei Kindern unter 6 Jahren, nicht in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft und nicht am Auge.
6. Wann zum Arzt?
Wenn das Ekzem Flüssigkeit absondert, oder wenn sich Bläschen bilden, sollte man den Arzt aufsuchen.
Rezeptfreie Medikamente/Mittel bei Neurodermitis gibt es auch in der Apotheke.