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Rezeptfreie Medikamente, Beruhigungsmittel und Beruhigungsmedikamente
Was sind Beruhigungsmittel?
Unter Beruhigungsmitteln (Sedativa) versteht man Arzneimittel, die verhältnismäßig unspezifisch die Erregbarkeit des Zentralnervensystems dämpfen und dadurch erhöhte Reizbarkeit, Unruhe, gesteigerten Tätigkeits- und Bewegungsdrang beseitigen.
In höheren Dosen können sie Müdigkeit und Schlaf erzeugen. Zu den Beruhigungsmitteln gehören z.B. Bromharnstoffderivate und pflanzliche Wirkstoffe wie Baldrianwurzelextrakte sowie synthetische Verbindungen wie Barbiturate.
Eine spezifischere Wirkung besitzen Tranquilizer oder Ataratika, zu denen besonders die Benzodiazepine gehören. Sie können jedoch schon nach kürzerem Gebrauch zu einer schweren Abhängigkeit führen.
Welche Symptome machen die Einnahme von Beruhigungsmitteln notwendig?
Wenn sich Nervosität so stark bemerkbar macht, dass die Nachtruhe stark in Mitleidenschaft gezogen wird, oder wenn der Alltag bzw. der tägliche Arbeitsablauf deutlich beeinträchtigt ist, dann kann ein Beruhigungsmittel in Betracht gezogen werden. Parallel dazu ist es sinnvoll nach dem Grund der Störung zu suchen und sich mit einem Arzt oder Psychologen in Verbindung zu setzen.
Wie wirken Beruhigungsmittel?
Die Wirkungsweise von Beruhigungsmitteln hängt natürlich von der Art des Medikaments ab, aber die hier beschriebenen rezeptfreien Medikamente und Mittel zur Beruhigung sind generell nicht mit der höchst potenten Wirkung von z.B. Benzodiazepinen zu vergleichen und haben in der Regel auch kein Suchtpotenzial. Ganz allgemein kann man feststellen, dass Präparate wie Johanniskraut, ähnlich wie synthetische Medikamente, die Wiederaufnahme von sogenannten „Glückshormonen“ hemmen, so dass ein höherer Spiegel von z.B. Noradrenalin und Serotonin im Blut verbleibt.
Welche Beruhigungsmittel helfen?
Pflanzliche Beruhigungsmittel
Hierzu gehören vor allem Baldrian, Hopfen, Johanniskraut, Melisse, Passionsblume.
Baldrian Beim offizinellen Baldrian (Valeriana officinalis) werden die Wurzeln verwendet. Baldrian wirkt psychisch-muskulär entspannend, angst- und spannungslösend sowie beruhigend bei nervös bedingten Einschlafstörungen und Unruhezuständen.
Hopfen Der Hopfen (Humulus lupulus) gehört zur Familie der Hanfgewächse. Zu medizinischen Zwecken werden die weiblichen Pflanzen verwendet, deren Blütenstände Hopfenzapfen (Lupuli strobulus) genannt werden. Die Hauptinhaltsstoffe sind etherisches Öl, Bitterstoffe und Gerbstoffe. Sie wirken beruhigend, angstlösend und schlaffördernd.
Johanniskraut Vom Johanniskraut (Hypericum perforatum) werden die Blüten sowie das blütennahe Kraut verwendet. Die Pflanze findet in vielfältigen Formen Verwendung, z.B. als Tee, als öliger Extrakt (Rotöl), als getrocknete und pulverisierte Pflanze. Es wirkt gegen Nervosität und Unruhezustände. In höheren Dosierungen hilft Johanniskraut bei leichten bis mittelstarken Depressionen.
Melisse Von der Melisse (Melissa officinalis) werden die Blätter verwendet. Ihre Hauptinhaltsstoffe sind Gerbstoff, etherisches Öl sowie Flavonoide, die beruhigend und entspannend vor allem bei nervösem Magen-Darm-Störungen wirken. Auch bei nervösen Einschlafstörungen kann Melissenextrakt eingesetzt werden.
Passionsblume Von der Passionsblume (Passiflora incarnata) wird das Kraut verwendet. Die Passionsblume wird vor allem in Kombination mit anderen pflanzlichen Stoffen bei nervösen Störungen und Einschlafstörungen verwendet. Wenn die hier genannten mild wirksamen, rezeptfreien Arzneimittel nicht helfen und weiterhin erhebliche Krankheitszustände bestehen, ist eine ärztliche Behandlung erforderlich. Diese kann dann z.B. darin bestehen, dass der Arzt stärker wirksame verschreibungspflichtige Arzneimittel (z.B. Benzodiazepine) zur Beruhigung verschreibt.
Synthetische Beruhigungsmittel
Chemisch-synthetische Beruhigungsmittel werden zur Dämpfung oder Abschwächung von Erregungszuständen wie z.B. Angst oder Anspannung eingesetzt.
Es handelt sich um sogenannte Benzodiazepine - auch Tranquilizer genannt, die zu den bekanntesten "Suchtmachern" gehören.
Diese Mittel werden seit Jahren immer wieder als "blaue Helfer" von Ärzten eingesetzt, um in der Regel psychischen Problemen chemisch aus dem Weg zu räumen und den betroffenen Menschen "funktionstüchtig" zu erhalten. Beruhigungsmittel haben mit Sicherheit ihre Berechtigung im vorübergehenden Einsatz, sozusagen zur Überbrückung, bis die Ursache der oft zermürbenden psychischen Krankheitserscheinungen angegangen werden kann. Bedauerlicherweise werden aber nur selten zusätzliche therapeutische Möglichkeiten ausgeschöpft, so dass dadurch die Ursache der Beschwerden erhalten bleibt. Immer wieder werden weitere Tabletten erforderlich und dadurch der bekannte Suchtkreislauf beginnt und sogar die Dosis erhöht werden muss.
Antidepressiva: Die psychisch aufhellenden Mittel führen kaum zur Gewöhnung und damit auch nicht in den Suchtkreislauf. Sie benötigen einen erheblichen Zeitraum bis zum Beginn der Wirkung (ca. 4-12 Wochen), weshalb sie von den Patienten häufig als überhaupt nicht wirksam empfunden werden. Eine psychische Abhängigkeit nach längerer Einnahme ist trotzdem möglich - das Gefühl, ohne dieses Medikament nicht auskommen zu können, zwingt, es immer wieder sie einzunehmen. Die möglichen Nebenwirkungen können erheblich sein.
Gibt es Risiken bei der Arzneimittelanwendung?
Die rezeptfreien Arzneimittel zur Anwendung bei Nervosität und Unruhezuständen sind im allgemeinen wirksam und gut verträglich. Risiken der pflanzlichen Arzneimittel sind bis zum heutigen Zeitpunkt nicht bekannt. Einzig bei Johanniskraut steigt bei längerer Anwendung die Lichtempfindlichkeit der Haut, in höherer Dosierung sind in neueren Untersuchungen Wechselwirkungen mit anderen (verschreibungspflichtigen) Arzneimitteln bekannt geworden, die sich in einer Wirkungsverminderung von z.B. Digoxin, Ciclosporin, Phenprocumon äußern.
Wann zum Arzt?
Ein Arzt ist immer dann aufzusuchen, wenn die Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln bei Nervosität und Unruhe nach einiger Zeit, ca. zwei Wochen, nicht zum Erfolg führt. Weiterhin sollte der Arzt aufgesucht werden, wenn starke körperliche Beschwerden oder Funktionsstörungen einzelner Organe auftreten.
Rezeptfreie Medikamente/Mittel, Beruhigungsmittel und Beruhigungsmedikamente gibt es auch in der Apotheke.
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